Geschichte

Hier erfahren Sie Wissenswertes über die Geschichte des Pianofortebaus in Eisenberg (Thüringen)

Adolph Geyer – Gründer und zugleich Vater der Eisenberger Pianoforteindustrie wurde am 23.11.1846 als dritter Sohn des Klavierlederfabrikanten Eduard Geyer in Eisenberg geboren. Die Schule absolvierte er im ehemaligen Zenkerschen Institut in Jena. Von hier kam Adolph Geyer nach Zeitz in die schon damals in hoher Blüte stehende Pianofortefabrik von Hoellering & Spangenberg in die Lehre und erweiterte seine Kenntnisse später noch in mehreren größeren deutschen Pianofortefabriken.

Um aber Größeres zu erreichen und sein Wissen zu erweitern, entschloß sich Adolf Geyer nach Amerika auszuwandern. Er hatte Gelegenheit sich in Kanada und New York im Klavierbau weiter auszubilden, sowie reiche Erfahrungen zu sammeln. Hier war es ihm möglich, als Konstrukteur und Intoneur im Fach der Klaviermacherkunst sein Wissen weiter zu vervollkommnen.

An Erfahrung reich, kehrt er im Jahr 1877 in seine Heimatstadt Eisenberg zurück und gründet hier am 02.12.1877 seine Pianofortefabrik.

Robert Weissbrod wurde am 16. März 1860 in Gerhardtsgereuth im Kreis Schleusingen geboren. Wie seine Geschwister, so musste auch er sich in der kleinen Landwirtschaft der Eltern betätigen, was ihm aber keinen so rechten Spaß bereitete. Die Gedanken gingen stets in eine andere Richtung: Sein Interesse galt dem Holz und dessen Be – und Verarbeitung. Schon sehr bald nach seiner Konfirmation ging er zu seinem Onkel nach Apolda, der eine Bau- und Möbeltischlerei betrieb, in die Lehre.

Später kam er in Jena in der Pianofortefabrik von C. Weiding unter, hier neigt er sein ganzes Interesse dem Klavierbau zu. Von Jena aus ging der junge Weissbrod nach Leipzig, hier gelang es ihm in den großen Klavierfabriken als geschätzter Zusammensetzer Anstellung zu finden.

Sein Bestreben ganze Arbeit zu leisten, führte Weissbrod nach Eisenberg. Bei dem Gründer der dortigen Pianoindustrie, Adolph Geyer, wurde er bald ein fertiger Klavierfachmann, der mit den kleinsten äußeren und inneren Teilchen, mit dem Körper und der Seele des Klaviers vertraut war.

Robert Weissbrod war beseelt vom Drang nach Selbständigkeit. Getragen von einer reichen, praktischen Erfahrung und vertrauend auf rastlose Arbeit, begann Robert Weissbrod in Verbindung mit einem Mitarbeiter der damaligen Geyerschen Fabrik Herrn August Pape, am 01.08.1884 mit dem selbständigen Bau von Klavieren.

Die Flügel- und Pianofabrik ,,Fuchs & Möhr“ wurde am 01.01.1921 in Eisenberg (Thür.) gegründet. Die Gründer und Gesellschafter dieser Firma sind: Gustav Robert Hermann Fuchs, geb. 11.02.1871 (Werkmeister in Friedrichstanneck) und Ernst Karl Walter Möhr, geb. 19.09.1897 (Kaufmann in Eisenberg)

Laut Eintragung im Handelsregister A2/ S 121 Nr. 218, wird die Firma vom 01.01.1921 an als Offene Handelsgesellschaft geführt. Die nach dem neuesten System gebauten Instrumente zeichneten sich besonders durch ihre „außerordentliche Klangfülle“ sowie die „besonders leichte und angenehme Spielart“ aus. Es waren wahrlich kunsthandwerkliche Erzeugnisse – die hergestellten Pianos und Flügel.

Schon im Jahr 1925 wurden Fuchs & Möhr Pianos auf Grund ihrer hervorragenden Qualität und günstigen Preislage mit der „Goldenen Staatsmedaille“ ausgezeichnet. Die Zahl der Käufer nahm von Jahr zu Jahr zu. Laut Adressbuch des Jahres 1928 befindet sich die Firma Fuchs & Möhr in der Jenaischen Strafe 2a. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 20 Personen beschäftigt, von denen man mit Fug und Recht behaupten kann, da sie zu einem Stamm langjähriger erfahrener Fachkräfte gehören. Die letzten für Schweden hergestellten Pianos wurden im Jahre 1940 bei der Überfahrt in der Ostsee versenkt.

Wie in anderen Firmen, so hatte auch die Firma Fuchs & Möhr während der Zeit des 2. Weltkrieges Absatzprobleme bei Pianos. Kurzfristig wurde die Produktion umgestellt und man verlegte sich auf die Fabrikation von Sohlen für Holzpantoffel.

Am 15.01.1952 verstarb der Mitbegründer der Firma, Herr Gustav Robert Hermann Fuchs, im gesegneten Alter von 81 Jahren.

Der Sohn, Hermann Fuchs, Klavierbaumeister, trat an seine Stelle in die Firma ein.

Geschaftsführender Teilhaber bleibt Walter Möhr(It. Handelsregister A / 35 164 Nr. 379).

Nach 1945 wurde in der Adolph Geyer Straße und in der Bahnhofsstraße unter „Adolph Geyer Nachf. GmbH“ Pianofabrik, Edelholzbearbeitung den damaligen Bedürfnissen des zivilen Sektor entsprechend produziert. In der ehemaligen Pianofabrik wurden in größerem Umfang zweitürige Kleiderschränke für die Umsiedler, sowie Radiogehäuse und Pianos als Reparationsleistung gefertigt.

Der traditionsgebundene Pianobau wurde somit fortgesetzt. 1947 wurden bereits die ersten 50 Pianos der Marke „Geyer“ gefertigt. Das Jahressoll an Reparationsleistungen im Pianobau für 1948 wurde bereits bis Juli erbracht. Durch Befehl der SMAD wurde die Firma 1948 ins Volkseigentum überführt und in „VEB Pianofabrik Eisenberg“ umbenannt. Der steigende Bedarf an Pianos machte einen Umzug in die freigewordenen Produktionshallen (ehemals Robert Weissbrod) in der Mozartstraße notwendig. Eine Großproduktion von Klavieren wurde eingerichtet und staatlich gefördert. Auch das Ausbildungszentrum der Klavierbauer fand seinen Sitz in Eisenberg und wurde an die Firma angegliedert. So konnte eine Praxisnahe Ausbildung stattfinden.

Mit der Wende 1989 begintt auch für die Klavierindustrie in Eisenberg ein neues Zeitalter. Ging es zu DDR Zeiten noch darum Instrumente für die breite Masse der Bevölkerung zu fertigen, so sind jetzt andere Kriterien ausschlaggebend.

Am 01.01.1993 erwirbt Herr Helmut Altmeyer die „Eisenberger Pianofortefabrik“ von der Treuhand und führt die Firma mit einer gänzlich neu aufgestelten und neu designten Produktlinie in den Markt. Dazu gehört auch der neue Name „Wilh- Steinberg AG“.

Seit dem führt Wilh. Steinberg die Tradionen, die ihren Ursprung in der von Adolph Geyer 1877 gegründeten Pianofortefabrik hat, fort. Aber auch stellvertretend für eine Reihe von Firmen wie Weissbrod, Fuchs & Möhr, Finger und viele andere, die bereits zu ihrer Zeit Weltruf erlangten und Eisenberg als Stadt des Pianobaues weit über die Grenzen bekannt machten.